Monday, 3. january 2011
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19:16
Irgendwann war der Zeitpunkt der Abreise gekommen. Der Tag war abgesehen von den Unterhaltungen am Tisch wirklich schön gewesen und ich freute mich für meine Schwester. Wir verabschiedeten uns
mit vielen Umarmungen. Bei der Verabschiedung von meinen Eltern, wusste ich nicht so recht, was ich sagen wollte. Eine Umarmung war ausgeschlossen. Also sagte ich mit einem formalen Handschlag
nur kurz „tschüss“ und sie taten es mir gleich. Ich frage mich wirklich, von wem ich meine künstlerische Begabung geerbt habe. Wahrscheinlich war ich im Krankenhaus verwechselt worden. Die armen
Eltern, die jetzt das „richtige“ Kind abbekommen hatten. Wahrscheinlich studierte es Jura.
von derholger.over-blog.de
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Thursday, 30. december 2010
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10:07
Missmutig stellte ich fest, dass ich an einem Tisch mit meinen Eltern sitzen musste. Mein Vater begann sogleich vor versammelter Mannschaft mit seinem Beamtendarlehen zu prahlen. „Dieses Beamtendarlehen hat wirklich Top-Konditionen. Die von der Bank wissen ja, dass Beamte wie ich ein sicheres und recht hohes Gehalt
haben.“ Er warf einen abschätzigen Blick in meine Richtung. Ich war froh, dass ich ein bisschen mehr Lebensinhalt hatte als ein Beamtendarlehen. Der Preis für so ein Beamtendarlehen war nämlich,
jeden Tag die gleiche langweilige Arbeit auszuführen. Meist sogar über Jahrzehnte hinweg. Mein Vater erzählte nun, was er sich dank Beamtendarlehen alles für Luxusgüter leisten konnte. Abgesehen
davon, dass ich Prahlereien verabscheue, halte ich Beamtendarlehen auch generell nicht für ein besonders spannendes Gesprächsthema. Ich versuchte mich also auf das Essen zu konzentrieren. Es
schmeckte wirklich hervorragend. Besonders das Kartoffel-Gratin war einsame spitze. Das würde ich mir garantiert nicht von einem blöden Beamten und seinem Beamtendarlehen kaputt machen lassen.
Ich ignorierte also das dumme Geschwätz. Meine Mutter hing meinem Vater jedoch gebannt an den Lippen. Sie hatte ihm seit ich denken kann noch nie widersprochen. Ich widmete mich indes lieber dem
Dessert. Es gab Mousse au Chocolat. Auch der Nachtisch war wirklich sehr lecker.
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Sunday, 26. december 2010
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10:39
Ich hatte meine Eltern nach diesem letzten Streit nun fast ein halbes Jahr nicht gesehen oder gesprochen. Ich war auch nicht besonders traurig deswegen. Was soll ich mich mit Menschen umgeben, die
mich nicht so nehmen wie ich bin? Da kriege ich bei meinen Freunden mehr Unterstützung und Zuspruch für das, was ich tue. Vor einigen Wochen habe ich jedoch eine Einladung zur Hochzeit meiner
Schwester bekommen. Da wollte und musste ich natürlich hingehen und wohl oder übel meine Eltern treffen. Eigentlich passte mir das gar nicht, aber ich wollte nicht, dass meine Schwester an ihrem
besonderen Tag unter unseren Streitereien litt. Ich sagte also zu und kaufte als Hochzeitsgeschenk für sie und ihren Verlobten eine sehr schöne, ausgefallene Vase. Außerdem würde ich den beiden
noch ein von mir gemaltes Bild schenken. Im Gegensatz zu meinen Eltern mochte meine Schwester meine Bilder nämlich. Mit gemischten Gefühlen fuhr ich zur Feier.
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Wednesday, 22. december 2010
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20:58
Letztes Jahr hatte ich einen großen Streit mit meinen Eltern. Sie sind nämlich gar nicht damit einverstanden gewesen, dass ich beschlossen habe, meinen Lebensunterhalt mit dem Malen von Bildern zu
verdienen. Schon als ich mein Kunststudium begonnen hatte, musste ich mir viele leidvolle Diskussionen darüber anhören, dass man mit so einer brotlosen Kunst doch nicht vernünftig Geld verdienen
könnte. Meine Eltern hätten es viel lieber gesehen, wenn ich ein langweiliges Studium wie Jura oder BWL abgeschlossen hätte. Ich bin aber eher ein kreativer Mensch und würde bei so einer
stumpfsinnigen Materie zugrunde gehen. Irgendwann hatten sie sich dann mit meiner Studienwahl abgefunden, in der Hoffnung, dass ich danach als Journalist arbeiten würde. Doch Bilder malen passte so
gar nicht in ihr spießiges Weltbild. Dabei kann ich wirklich ganz gut davon leben. Eine Goldgrube ist es natürlich nicht aber ich brauche ja auch nicht Unmengen an Geld. Wofür sollte ich es
ausgeben?
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